
…dieser „schlaue“ Spruch hing seinerzeit in der „Kulturküche“ unseres Theaters PODIO in Königshof und er kam mir jetzt wieder in den Sinn, als wir die „Persephone Brewery“ in Gibsons an der „Sunshine Coast“ in Kanada, British Columbia besuchten.

Und damit herzlich willkommen zurück auf meinem kleinen, aber feinen Reiseblog, liebe Leserinnen und Leser! Noch immer befinden wir uns in Kanada und dieses Mal geht es in die kleine Stadt Gibsons an der Südspitze der „Sechelt Peninsula“. Dort waren wir zu Gast in der „Persephone Brewery“, eine von drei Craft-Beer-Brauereien, die sich allein in Gibsons angesiedelt haben. Und in Vancouver, das von Gibsons mit der Fähre in rund einer Stunde zu erreichen ist, sind weitere 25 (!) Brauereien in Betrieb, die „handgemachtes“ Bier herstellen. Man sieht (und schmeckt es): Craft-Beer boomt hier. Von British Columbia aus hat sich der Trend in ganz Kanada ausgebreitet und mittlerweile bietet sich hier eine Vielfalt und Raffinesse an, die den Deutschen mit seinen austauschbaren Industriebieren schon neidisch machen kann.

Auf die „Persephone Brewery“ waren wir schon bei unserer Ankunft auf der „Sechelt Peninsula“ aufmerksam geworden, als wir hier vor rund 4 Wochen auf dem Highway 101 zum ersten Mal vorbeifuhren und uns die großzügig angelegten Hopfenfelder auffielen. Eine Craft-Beer-Manufaktur, die ihren Rohstoff direkt auf dem Gelände neben den Braukesseln anbaut? Das machte uns dann neugierig und wir nahmen Kontakt mit Roo Miller auf, der für die Organisation des Schankraums („Tasting Room“) der Brauerei zuständig ist und uns herzlich zu einer exklusiven Tour durch die gesamte „Persephone Brewery“ einlud.

So machten wir uns vor zwei Tagen aus unserer derzeitigen Wahlheimat Sechelt ins rund 30 km entfernte Gibsons auf und wurden im „Tasting Room“ von Roo freundlich empfangen, der uns natürlich auch direkt fragte: „Which beer do you want to taste first?“ Gar nicht so leicht zu entscheiden, wenn man sich die Vielfalt des Angebots anschaut. Wir entschieden uns dann für einen „Probeschluck“ vom „Black Lager“. Malzig, dunkel, stark…einfach gut. (Oder wie es in der offiziellen Produktbeschreibung heißt. „A full bodied dark lager. Roasty, clean and chocolaty with a graham cracker finish.“)

Derart gestärkt, nahm Roo uns sodann mit auf die Tour über das Brauereigelände. Kurz wurden wir noch von einem einheimischen Gast im Schankraum angesprochen, der erkannt hatte, dass wir aus „Germany“ stammen und uns auf Deutsch mitteilte, dass sein Vater ursprünglich aus Düsseldorf käme. Und er selbst hätte auch schon Düsseldorf besucht und dabei so manches Altbier in der Altstadt verkostet. Tja, die Welt ist manchmal wirklich klein. 🙂
Aber nun ging es raus mit Roo, zunächst in die Hopfenfelder, die wir schon vom Highway aus gesehen hatten. 3 verschiedene Sorten Hopfen werden hier angebaut, u.a. die Sorte „Cascade“. Diese Sorte ist sehr beliebt in der Craftbrewer-Szene, da sie ein ausgeprägtes blumiges und würziges Aroma besitzt, die beim Brauen eine sehr milde Bitternote freisetzt. Bis zu 6 m hoch werden die Hopfengewächse, bevor es im Spätsommer an die Ernte geht. Hierbei gibt es dann viele fleissige Hände zur Unterstützung aus der einheimischen Szene der Craft-Beer-Liebhaber, denn Hopfenernte ist hier noch echte Handarbeit.

Doch der hier angebaute Hopfen reicht bei weitem nicht mehr aus, um die Produktion der „Persephone Brewery“ zu decken. Rund 500.000 Liter jährlich werden hier mittlerweile im 5. Jahr des Bestehens gebraut. Das ist schon ein gewaltiger Batzen für eine „Micro“-Brauerei. Die Ausstoßmenge verteilt sich dabei auf sechs Standardbiere, die das ganze Jahr über angeboten werden, sechs weitere „Seasonal Beers“, die jeweils nur einmal pro Jahr gebraut werden sowie Spezialbiere. Daher wird der weitere Bedarf an Hopfen durch Zukauf aus den Vereinigten Staaten gedeckt, wobei „Persephone“ stets auf den höchsten Qualitätsstandard bedacht ist. Im „Hopfenraum“ durften wir dann einzelne Pellets in die Hand nehmen und „beschnuppern“. Ein sehr intensives Aroma von Zitrusfrüchten umschmeichelte dabei unsere Nase.

Hier wird der kostbare Stoff gelagert….

Schon diese wenigen Krümel geben ein sehr intensives Aroma ab.
Und weiter ging die Tour mit Roo: Eine Besichtigung der eigentlichen Brauerei, der Gärtanks und des Lagerraums incl. der Etikettier- und Abfüllanlagen durfte natürlich nicht fehlen.
Auch im Bereich der Abfüllung und Etikettierung ist hier vieles noch Handarbeit…..“Craft-Beer“ eben..
Anschließend ging es dann mit Roo in den Bereich, der die „Persephone Brewery“ wirklich zu etwas Besonderem macht: Das Farmgelände. Denn „Persephone“ versteht sich nicht nur als Brauerei, sondern als ganzheitliches, auf die Landwirtschaft ausgerichtetes Unternehmen, das nicht nur teilweise seine Rohstoffe fürs Bier selbst anbaut, sondern darüber hinaus auch eine große Vielfalt an Salat und Gemüse erzeugt.

Feinster Mangold

„Red Kale“ im Sonnenlicht
„Persephone“ bietet ihren Kunden sogenannte „Beer Farm Food Boxes“ an, quasi ein Gemüse-Abonnement, bei Bedarf auch zusätzlich mit Bier erweiterbar. Dabei gibt es für 22 Wochen, startend im Mai, im Ramen des Community Supported Agriculture (CSA) Programms gegen entsprechenden Mitgliedsbeitrag wöchentlich eine Kiste mit saisonalem Gemüse aus eigenem Anbau auf dem Farmgelände von „Persephone“. Eine wirklich tolle Idee. Würden wir dauerhaft wohnen, wären wir schon längst Mitglieder.

Obwohl nicht zertifiziert, achtet „Persephone“ sowohl beim „organic“ Gemüseanbau als auch beim Brauen stets auf Nachhaltigkeit und verantwortliches Handeln der Natur gegenüber. Der Wasserverbrauch für die Produktion von einem Liter Bier konnte so hier um rund die Hälfte gegenüber den in der Industrie üblichen Mengen gesenkt werden.
Nach einem Rundgang über das Farmgelände ging es dann wieder zurück zum „Tasting Room“, denn jetzt war höchste Zeit, doch noch einmal von den ein oder anderen Produkten, die an diesem wunderbaren Ort hergestellt werden, zu kosten. Wir entschieden uns für ein sogenanntes „Flight“, das sind 4 verschiedene Biere in Probiergläser ausgeschenkt. So hatten wir die Möglichkeit -autofahrergerecht- noch einmal die Vielfältigkeit des Angebots zu kosten.

Dazu gab es -frisch aus dem Ofen- leckeres Brot belegt mit Knoblauchquark und Gurken – natürlich aus heimischen Anbau! Lecker!

Im „Tasting Room“ verabschiedeten wir uns dann herzlich von Roo, der uns sehr engagiert und informativ mehr als eine Stunde durch das Gelände geführt hatte. Er ist einer von rund 20 Angestellten, die dafür sorgen, dass „Persephone“ an jedem Tag wirklich ein Besuch wert ist. Sei es wegen der hochwertigen Produkte, die hier angeboten werden oder der tollen Atmosphäre im „Tasting Room“ und im Außengelände, wo man es sich im „Beer-Garden“ gemütlich machen kann. Ein Ort, an dem man gerne verweilt.
Mittlerweile wurde es auch richtig voll im „Tasting Room“, denn heute war „Growler Day“, dabei bringen die Craftbeer-Liebhaber ihre gläserne Bierkannen („Growler“) vorbei, um diese auffüllen zu lassen. Ein weitere Art, für echte Nachhaltigkeit zu sorgen und Müll zu vermeiden. Voraussetzung: Die Mitgliedschaft im „Growler Club“:

Nun, ein solche Mitgliedschaft würde sich dann für uns doch nicht lohnen, da wir in wenigen Tagen die „Sunshine Coast“ Richtung Vancouver verlassen werden. Aber ein „Honey Farmhouse Ale“ wanderte noch in unseren Einkaufskorb.

Übrigens, so ein „Bier“ dürfte in Deutschland nicht hergestellt werden, zumindest dürfte es nicht Bier genannt werden, da es aufgrund der Zugabe von Honig gegen das Reinheitsgebot von 1516 verstossen würde. Roo war übrigens fassungslos, als er von uns hörte, dass dieses altes „Gesetz“ in Deutschland immer noch Gültigkeit hat und so manchen Craft-Beer-Brauer bei uns in seiner Kreativität hemmen mag.
Kanada jedenfalls -und insbesondere British Columbia- scheint ein Paradies für die Craft-Beer-Szene zu sein. Dazu gehört aber auf jeden Fall -und damit sind wir wieder bei der Überschrift meines heutigen Blogbeitrags- der Zusammenschluß mit der Landwirtschaft oder wie es bei „Persephone“ so schön heißt:

Das war’s für heute von mir! Ich hoffe, mein kleiner Einblick in die einheimische Landwirtschaft hat Euch gefallen. Ich freue mich jetzt noch auf viele weitere Begegnungen mit interessanten Menschen an interessanten Orten hier in Kanada und demnächst in den USA. Ich werde berichten und wie heißt es so schön immer zum Abschluß:
Wir lesen uns……