
„Du musst wandern“ forderte Manuel Andrack, ehemaliger Sidekick von Harald Schmidt und auch bekannt als Deutschlands „Wanderpapst“ die Nation 2005 in seinem gleichnamigen Buch auf. Nun, so weit möchte ich nicht gehen, ich will hier niemanden etwas befehlen. Aber eine uneingeschränkte Empfehlung fürs Wandern, die möchte ich schon abgeben.
Zu Fuß gehen ist für den Homo Sapiens seit jeher eigentlich die natürlichste Fortbewegung, seit er es geschafft hat, sich aufrecht zu halten. Viel später kamen dann Fahrräder, Züge, Kraftfahrzeuge, Rollerblades, Luftkissenboote, Flugzeuge und Joggingschuhe. Vergesst das alles! Gehen, ein Fuß vor den anderen setzen, immer und immer wieder, dabei ausreichend Gelegenheit haben, sich die Umgebung anzuschauen, in der man sich bewegt, ist das einzig Wahre! Und wenn man das Ganze nicht mehr nur zweckgebunden betreibt, um von A nach B zu gelangen, wenn man einfach geht um des Gehens und der Landschaft willen, in der man geht, dann ist man beim Wandern angekommen.
Mit meinen nunmehr 53 Lenzen kann ich bestimmt schon auf mehr als 45 Wanderjahre zurückblicken, denn früh ging es für mich mit den Eltern „in die Berge“ und ich kann mich auch heute noch an so manche schöne Wandererlebnisse beispielsweise im Allgäu, in Tirol oder im Berchtesgadener Land erinnern. Der „Zauberwald“ bei Ramsau ist heute noch eine Reise wert.

Unvergessen sind auch die „Wandertage“, die in Krefeld jahrelang von der „Westdeutschen Zeitung“ organisiert wurden und wo man vom Startpunkt Stadtwald aus die Gelegenheit hatte, eine Runde von 10, 20 oder 30 km rund um Krefeld zu laufen. Dafür gab es dann die Bronze-, Silber- oder Goldmedaille. Ehrensache, dass es immer Gold sein musste, was man dann auch gerne am nächsten Tag in der Schule zeigte. (Da liefen dann sehr viele Klassenkameraden stolz mit ihrer Medaille herum). Das alles muss so Ende der 70er Jahre gewesen sein, zeitlich genau bekomme ich nicht mehr hin und die Goldmedaillen sind auch alle verschwunden.
Diese Wandertage sind schon lange perdu und heute wandere ich auch nicht mehr um der Medaillen willen, sondern einfach, weil ich es mag. Genau so wie meine Frau, da habe ich Glück und wir gehen den Weg wirklich „gemeinsam“, wie es so schön heißt.
Das Tolle am Wandern ist, dass man es faktisch überall auf der Welt betreiben kann. Allein Deutschland ist ein so großartiges Wandergebiet, in dem Du immer wieder neue Facetten entdecken kannst. Vor zwei Jahren waren wir zum ersten Mal im Harz. „Harz“, das klang irgendwie nach 50/60er Jahre, bürgerlichen Muff und Langeweile. Weit gefehlt! Der Harz bietet eine unübersehbare Anzahl an großartigen Wandermöglichkeiten, oft auf Pfaden, wo Du Stunden keiner anderen Menschenseele begegnest. Hier spürst Du noch die Mystik des Deutschen Waldes hautnah. Und erlebst immer wieder fantastische Ausblicke in die Ferne.

Oder die Mosel!!! Seit einigen Jahren gibt es den Moselsteig, der dem geneigten Wanderer die Möglichkeit bietet vom Dreiländereck bei Perl (Deutschland/Luxembourg/Frankreich) über 24 Etappen rund 365 km bis nach Koblenz zu laufen, durch malerische Moseldörfer, hoch und runter durch die Weinberge und immer entlang einer der berühmtesten deutschen Flüsse. Die „New York Times“ hat den Moselsteig im Jahr 2016 übrigens als einer der „52 Places to go“ in der Welt ausgezeichnet.
Am besten aber ist, sich selbst zu überzeugen. Zum Beispiel auf der Etappe von Nittel nach Konz, die immer wieder großartige Einblicke auf unser Nachbarland Luxembourg gewährt.

Da wir ja in unmittelbarer Nachbarschaft zu unseren niederländischen Freunden leben, ergibt es sich oft auch, dass wir jenseits der Grenze auf Wanderschaft gehen. Die Niederlande sind nicht nur für Fahrradfahrer sondern auch für Wanderer ein wahres Paradies. Im Gegensatz zu Deutschland, wo häufig die Wanderwege von örtlichen oder überregionalen Wandervereinen fest vorgegeben und beschildert sind, hat man bei unseren Nachbarn die Möglichkeit, sich auf sehr einfache Weise seine eigene, individuelle Wanderroute zusammenzustellen, und das ohne GPS oder Kompass. Hier ist das sogenannte „Wandelen via Wandelknoopunten“ sehr populär. Jede Kreuzung von Wanderwegen ist individuell nummeriert und bietet immer wieder neue, unendlich viele Möglichkeiten, seine Wanderwege neu zu kombinieren.
https://www.wandel.nl/wandelroutes/bewegwijzering/wandelen-via-wandelknooppunten.htm

Natürlich läßt sich auch etwas weiter weg von Deutschland (und den Niederlanden) trefflich wandern. Im vergangenen Jahr haben meine Frau und ich uns an den „West Highland Way“ in Schottland gemacht. Von einem Vorort Glasgows aus ging es in einer guten Woche auf rund 155 km in die schottischen Highlands bis nach Fort William. Ein grandioser Trip. der uns zudem alle Facetten des schottischen Wetters bescherte (ja, gute Regenkleidung ist ein Freund des Wanderers). Besonders die Streckenführung entlang von Loch Lomond begeisterte immer wieder mit geradezu cinesmascopeartigen Ausblicken auf Schottlands größtes Binnengewässer.

Nun sind wir also in unserem Sabbatical unterwegs. Als die Frage anstand, in welche Regionen der Welt wir denn gerne reisen wollen während unserer Auszeit, war natürlich auch der Aspekt des Wanderns ein ausschlaggebender Punkt. Und so fängt unsere Zeit nicht zufällig in Kanada an. Und eigentlich wollte ich ja auch hier über Kanada schreiben, bin aber jetzt irgendwie ins Schwärmen gekommen übers „Wandern“. Zum Thema „Kanada auf Schusters Rappen entdecken“ daher demnächst an dieser Stelle mehr. Versprochen!
Aber jetzt muss ich erstmal wieder raus, meine Wanderstiefel sind schon geschnürt. Schließlich gibt es hier noch viel zu entdecken. Ihr könnt Euch ja auch in der Zwischenzeit auf den Weg machen, ein paar Anregungen habt Ihr ja jetzt.
Bis dahin, ein gute Zeit!
Wir lesen uns….
