Da ist er wieder, dieser leicht unselige Begriff, zuletzt auch noch aufgeladen durch die Tatsache, dass sich „Super-Horst“ Seehofer in Berlin nicht mit einem lapidaren Innenministerium als Ausgleich für die verlorene Macht in Bayern zufrieden gibt, nein, jetzt muss auch noch die „Heimat“ sein.
Für viele Zeitgenossen hat ja „Heimat“ ein latent negative Konnotation, was nicht verwundert, wenn man sich in der Geschichte anschaut, was alles aus „Heimat“ so gemacht wurden. Unter den Nationalsozialisten wurde „Heimat“ zu einem unabdingbaren Bestandteil ihrer Blut- und Bodenideologie, am Ende wurde „Heimat“ zu etwas, das den „Auschluss für alles „Nicht-Deutsche“ bedeutete
Ein Ansicht, die heute irrititierenderweise mehr als 10% der deutschen Wähler weiterhin teilen, jene Wähler, die sich angeblich für eine „Alternative“ in unserem Land stark machen, in Wirklichkeit aber nur zu dem braunen Dreck der Vergangenheit zurückkehren wollen.
Später in den 50er wurde „Heimat“ dann zu einem (Film)Genre. Das „Schwarzwald-Mädel“ und Sonja Ziemann lassen grüssen…“Grün ist die Heide, die Heide ist grüüüün….“
Und heute? Die „Heimat“ hat es schwer und doch fühlen wir sie alle und uns irgendwie mit ihr verbunden. Um einen ehemaligen Berliner Regierenden Bürgermeister zu zitieren: „Und das ist auch gut so!“
Man kann und darf sich wohlfühlen, da wo man lebt oder her stammt, ja man kann so gar stolz auf seine Heimat sein, aber das braucht nicht gleichbedeutend zu sein mit der Ablehnung und Ausgrenzung von vermeintlich „Andersartigem“ und „Fremden“.
Der große Komiker Karl Valentin hat einmal den wunderbaren Satz geprägt „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde!“. Ja, wir sind alle Fremde, sobald wir uns nur ein Stück rausbewegen aus unserer Komfortzone. Und je mehr wir uns selbst fest verhaftet wissen in unserer „Heimat“, je mehr können wir uns einlassen auf andere Welten und Kulturen und lernen, wieviele veschiedene „Heimaten“ diese Welt bietet.
Das ist es auch am Ende, was mich zu meinen Reisen während des Sabbaticals bewegt: Menschen und Kulturen kennenzuleren, die mir fremd sein mögen, doch für viele andere die vertraute „Heimat“ bedeuten. Diesen Perspektivwechsel ganz bewußt zu gestalten und dabei aber auch immer zu wissen, wo man selbst herkommt und auch wieder zurückkehren wird.
Denn dies ist mir jetzt schon klar, bevor die Reisen überhaupt losgehen: Ich freue mich auf alles, was ich sehen werden, auf all die Menschen die ich treffe und kennen lerne. Aber ich werde mich auch wieder auf zu Hause freuen, auf meine „Heimat“ und meine Freunde daheim.
Ach ja, das Bild? Es ist aus meiner Heimat. Der Schönwasserpark in Krefeld, ein Fleckchen Erde, das ich sehr schätze und zu dem ich immer wieder gerne komme, gerade jetzt im Frühjahr.
Zum Glück ist „Heimat“ ja nich so weit weg…obwohl das ändert sich ja bald…
Aber Heimat“ ist nicht nur ein Ort, es ist ein warmes, ein vertrautes Gefühl, dass man stets in sich tragen möchte. Ich weiß, es wird mich begleiten, wohin auch immer meine Reisen mich führen werden.